Becher-Schule

Bernd und Hilla Becher

Bernd Becher (geboren am 20. August 1931 und gestorben am 22. Juni 2007) studierte von 1953 bis 1956 an der Staatlichen Akademie für Künste in Stuttgart und von 1959 bis 1961 an der Düsseldorfer Kunstakademie.

Hilla Becher (geboren am 2. September 1934 in Potsdam) studierte 1958 bis 1961 an der Düsseldorfer Kunstakademie Fotografie.

Bernd und Hilla Becher sind für ihre dokumentarischen Aufnahmen von Fachwerkhäusern und Industrieanlagen bekannt. Bereits während ihres Studiums fingen sie an, zusammen Industriebauten zu dokumentieren.

Während der Kohlekriese in den 1970ern und 1980ern fotografierten sie viele Bauwerke, welche kurz danach eingestellt und abgerissen wurden. Je nach Objekt sind die Bilder in 4 bis 15 Ansichten aufgeteilt. Sie sind zentralperspektivisch aufgebaut und wurden bei wolkenverhangenem weichen Licht fotografiert. Um detailreiche und verzerrungsfreie Aufnahmen zu machen, wurde als Aufnahmemedium eine Großformatkamera mit dem Format 13 x 18 cm verwendet.

Die Serie wird der neuen Sachlichkeit zugeordnet und wurde bald international anerkannt.

1976 übernahm Bernd Becher eine Professur für Fotografie auf der Kunstakademie Düsseldorf. Zusammen mit seiner Frau, Hilla Becher, bildete er viele fotografische Persönlichkeiten aus, die heute als Becher-Schule bekannt sind.

Neue Sachlichkeit

Geprägt wurde der Begriff der Neuen Sachlichkeit bereits 1923 von Gustav Friedrich Hartlaub, im Zuge der Konzeption einer Ausstellung. Entwickelt hat sich die Neue Sachlichkeit aus dem Wunsch heraus, den künstlerischen Tendenzen in der Fotografie mit einer stringent objektiven Bildsprache gegenübertreten zu können.

Erklärtes Ziel der Neuen Sachlichkeit in der Fotografie war es, die Dinge in ihrer Einfachheit und Schönheit darzustellen. Dafür war es vonnöten, Abstand von dem Sujet zu wahren – im Sinne einer sehr nüchternen, zurückhaltenden Bildsprache. Hierbei geht es allerdings nicht um eine grundsätzlich neue Darstellung des Gegenstandes, sondern um die Fixierung von Struktur, Form und Mentalität.

Andreas Gursky

Andreas Gursky (geboren am 15. Januar 1955) ist vor allem für seine extremen Großformate bekannt. Er gilt als einer der erfolgreichsten zeitgenössischen Fotografen.

Gursky studierte von 1978 bis 1981 an der Universität-Gesamthochschule Essen Visuelle Kommunikation gefolgt von seinem Studium an der Kunstakademie Düsseldorf unter Bernd und Hilla Becher.

Ende der 80er Jahre begann Gursky mit Großformatkameras zu fotografieren und seit Anfang der 90er Jahre setzt er digitale Bildbearbeitung ein, mit deren Hilfe er übergroße Bilder erschafft. Hauptsächlich fotografiert er Landschaften, Architektur und Innenräume.

In vielen seiner Bilder nimmt Gursky einen eher ungewöhnlichen, leicht erhöhten Standpunkt ein. Zusammen mit der Schärfe, welche sich über das ganze Bild erstrecken liefert er somit Ansichten, die unter normalen Umständen nicht möglich wären.

Thomas Ruff

Thomas Ruff (geboren am 10. Februar 1958) studierte unter Bernd und Hilla Becher von 1977 bis 1985 Fotografie.

In den 1970ern begann er bereits konzeptionell zu fotografieren. Seine erste Serie thematisierte Innenansichten in deutschen Wohnräumen.
Kurz darauf begann er eine Serie von 60 Portraits die einen Passbildartigen Charakter haben. Alle Portraits haben den gleichen Aufbau. Sie sind frontal aufgenommene Brustportraits mit gleichmäßigen Licht. Die obere Kante des Bildes befindet sich direkt über den Haaren des oder der Portraitierten. Die Bilder haben eine Größe von bis zu 210 x 165 cm.

1989 folgte die Serie Sterne, welche Aufnahmen von Sternenhimmel zeigt. Die Bilder wurden jedoch nicht von Ruff selbst gemacht, sondern von sind Aufnahmen von eines Observatoriums in Chile. Thomas Ruff wählte bei diesen Bildern Details aus und vergrößerte die Bilder dann auf ein übergroßes, einheitliches Format.

Zwischen 1992 und 1996, während des Golfkriegs, entstanden Außenaufnahmen, welche dieselbe Nachtsichttechnologie wie das Militär verwendete.

2003 brachte Ruff einen Foto-Band unter dem Namen „Nudes“ heraus. Dieses Buch beinhaltete von Ruff erstandenes pornografisches Bildmaterial, welches er mittels digitaler Bearbeitung verfremdete.

Seine jüngsten Arbeiten sind „Fotogramme“ und „Negative“.

Thomas Struth

Thomas Struth (geboren am 11. Oktober 1954) studierte von 1973 bis 1980 an der Kunstakademie Düsseldorf. Anfangs studierte er Malerei, doch während seines Studiums wechselte er 1976 zur Fotografie.

Bereits 1978, im Zuge eines Stipendiums der Düsseldorfer Kunstakademie hatte Struth eine Ausstellung im P.S.1 in New York.  

Seine ersten Arbeiten zeigten zentral-perspektivische Aufnahmen von Straßen in Düsseldorf. Diese Arbeit führte er zwischen 1984 und 1986 in Rom, Edinburgh und Tokyo weiter. Struth verwendete ebenfalls Großformatige Kameras bearbeitet jedoch, im Gegensatz zu Ruff und Gursky, seine Bilder nicht.

Mitte der 80er begann Struth eine Serie von Familienportraits, die er heute noch erweitert. In diesen Portraits fotografiert er Familien in ihrem Zuhause in denen sich die Familien selbst positionierten.

1989 entstand seine bekannteste Serie in denen er Innenräume von Museen und deren Besucher fotografierte. Unter anderen zeigen die Bilder das Art Institute of Chicago, die Gallarie dell'Accademia in Venedig und den Louvre.

Zwischen 1998 und 2006 entstand seine Serie "Paradise" in der er Urwälder auf der ganzen Welt fotografierte.

Von 1993 und 1996 nahm er eine Professur in der Staatlichen Hochschule in Karlsruhe auf. Zwischen 2010 und 2011 arbeitete er als Humanitas Visiting Professor an der Oxford University.

Candida Höfer

Candida Höfer (geboren am 4. Februar 1944) absolvierte von 1963 bis 1964 eine fotografische Ausbildung im Fotostudio Schmölz-Huth und studierte im Anschluss daran bis 1968 künstlerische Fotografie an den Kölner Werkschulen. 1973 begann sie ihr Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie und absolvierte ihr fotografisches Studium unter Bernd und Hilla Becher zwischen 1976 und 1982.

Zu ihren Anfängen fotografierte sie noch Menschen. Das erste mal zog sie mit einer Serie über Türkische Gastarbeiter, die in Deutschland lebten, Aufmerksamkeit auf sich. Bekannt wurde sie jedoch mit Fotografien von Innenaufnahmen, mit denen sie schon in den 80ern begann. Ihre bekanntesten Arbeiten zeigen Museen, Bibliotheken und Theater.

Wie auch die meisten ihrer ehemaligen Mitschüler verwendet sie Großformatkameras und druckt ihre Fotos in riesigen Formaten.

1991 verlagert Höfer ihren Fokus von Innenräume auf Zooanlagen in Deutschland, Spanien, England, Frankreich und den Niederlanden.

Neben weiteren Arbeiten die Innenräume in Museen zeigen bereiste sie zwischen 2004 und 2007 die Welt um "Date Paintings" von dem Künstler On Kawara in den Häusern der privaten Sammler zu fotografieren.

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