Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens

Peking, 4. Juni 1989

by Lenny Lee Karrer

Kontekt:

China ist eines der letzten kommunistischen Länder der Welt. Es gab mehrer Aufstände dies zu ändern um in China etwas liberales und demokratisches einzuführen. Einer dieser Versuche wird hier behandelt. Es geht um die Demonstrationen und das Massaker auf dem Platz des himmlischen Friedens.

Das Volk war unzufrieden über die Politik der führenden kommunistischen Partei, die in China das Sagen hat. In den Jahren 1986/87 wurde bereits vermehrt Kritik am kommunistischen Regime geäussert, die jedoch geschickt vom Regime abgewehrt wurden, indem man die kritikäussernden Personen in den Öffentlichkeit blossstellt und sie als Sündenbock fungieren lässt.

7 Forderungen vom 21. April:

  • Bestätigung der Ansichten von Hu Yaopang.
  • Bestrafung von Gewaltverbrechern.
  • Pressefreiheit.
  • Staatsangestelltengehälter offenlegen.
  • Stärkung des Erziehungswesen und Erhöhung der Lehrergehälter.
  • Liberalismus nicht strafrechtlich verfolgt und es rückwirkend ungeschehen macht.
  • Berichterstattung der Demokratiebewegung gewähren

Demonstrationsbeginn:

Die Studenten des Landes wollten am Regime etwas verändern, als sie am 18 April begannen auf dem Platz des Himmlischen Friedens zu demonstrieren. In den folgenden Tagen und Wochen gab es täglich massiven Zuwachs an Demonstranten, denn auch die Bevölkerung begann sich den Studenten anzuschliessen. Jedoch war dem Kollektiv nicht ganz klar gegen was spezifisch demonstriert wurde, sondern dies kristallisierte sich mit der Zeit heraus.

Die Regierung ging zuerst nicht massiv gegen die Streiks vor, sie versuchten mehrere Male den Platz zu schliessen, jedoch waren die Demonstranten darauf vorbereitet und besetzen den Platz in der Nacht vor der versuchten Schliessung. Am 12. Mai jedoch begannen die ersten 400 Leuten einen Hungerstreik und nahmen den Platz durchgehend in Beschlag. Sie forderten das die Regierung mit ihnen in offene Gespräche geht um den Hungerstreik zu beenden.

Die Demonstranten schrien oft Parolen wir: "Freiheit, Demokratie, Grechtigkeit" und "Die korrupten Beamten sind reich, die Bauern sind arm."

Staatsbesuch von Gorbatschow:

Am 15. Mai war der ein wichtiger Staatsbesuch von Michail Gorbatschow in China angesetzt. Deswegen waren zahlreiche Korrespondenten anwesend, die von den Demonstrationen mitbekamen. Der Staatsbesuch von Gorbatschow endete in einem Debakel für die chinesische Regierung. Gorbatschow musste durch einen Seiteneingang die Halle des grossen Volkes betreten. Auch weitere Termine mussten wegen den Demonstrationen verlegt oder gar abgesagt werden. Es war sehr schlimm für die chinesische Regierung sich so in der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Da die Demonstranten begannen eine Infrastruktur für die Streiks aufzubauen erhöhte sich die Anzahl der Leute auf dem Platz auf ca. eine Million.

Kooperationsversuche:

Die Studenten führten anschliessend erfolglose Gespräche mit der Regierung. Zu den Studenten und Bürgern kamen jetzt auch noch Arbeiter aus grossen Bertrieben dazu und errichteten auf dem Platz ein Zeltlager. Die vielen Anhänger konnten sich nur bilden, da die Medien den Forderungen der Regierung die Demonstrationen nicht allzu gross publik zu machen nicht nachkamen.

Regierungsintern:

Die Regierung Chinas hatte anfangs nicht gross gehandelt da der Parteichef Zhao Ziyang die Studentenstreiks, die komplett friedlich verliefen als ungefährlich angesehen. Zhao Ziyang stand in seiner Partei jedoch schon seit längerem in Kritik, ihm wurde voralem von Deng Xiaoping und Li Peng vorgeworfen eine schlechte Wirtschaftsreform gemacht zu haben und sich zu fest am Westen zu orientieren. Deng lancierte anschliessend eine Wirtschaftsreform und eine Kampagne gegen bürgerliche Liberalisierung, die meiner Meinung nach auch etwas mit den Aufständen zu tun hatte und das Volk soweit brachte, dass Unmengen an Angestellten demonstrieten und Tumulte in Firmen begannen.

Deng Xiaoping und Li Peng sahen in Streiks einen gezielten Versuch die Regierung Chinas zu stürzen. Dies versuchten sie zu verhindern und sagten in einer Sondersendung , dass sie mit allen Mitteln versuchen werden, dem Aufruhr ein schnelles Ende zu bereiten. Tage später wurde Zhao von Deng Xiaoping und Li Peng entmachtet.

Ich finde, dass die Regierung nicht richtig gehandelt hat, es wurde nicht versucht ernsthaft eine, für alle beteiligten akzeptable Lösung zu suchen, sondern es wurde versucht ohne auch nur ein bisschen nachzugeben die Aufstände aus der Welt zu schaffen mit allen Mitteln. War ein Mittel zu wenig stark um die Demonstranten zu verjagen wurde es immer mit einem exponenzial schlimmeren Mittel versucht, bis es im Massaker endete.

(Quelle: M11 Interne Äusserungen aus dem Ältestenrat der KPCh vom 2. Juni 1989)

Räumungsversuche:

Die Regierung versuchte mit unbewaffneten Truppen tagelang den Platz zu erobern, jedoch blieben die Aufständischen standhaft. Am 20. Mai nach der Abreise von Gorbatschow wurden die Satellitenverbindungen der Presse unterbrochen.

Die Aufständischen wurden unter grösserwerdendem Druck immer mehr uneinig, wie weiter vorgegangen werden soll. Der grösste Teil der Demonstranten, wollte bleiben, bis dir Forderungen realisiert wurden und ein kleiner Teil verliess den Platz aus Angst vor Gewalt und aus mangelnden Hygiene-Gründen.

(Quellen: M11 Interne Äusserungen aus dem Ältestenrat der KPCh vom 2. Juni 1989)

Bewaffnete Übernahme:

Am Abend des 3. Junis begannen sich die Soldaten zu bewaffnen und es brachen Strassenschlachten aus. Die Demonstranten versuchten sich mit Steinen zu wehren, jedoch gingen die Soldaten immer rücksichtsloser vor und schossen in die Menge. Auch viele unschuldige wurden verletzt und getötet.

Nach Mitternacht verschärfte sich die Situation, denn die Panzer und Truppen umziengelten den PLatz und wurden von den Demonstranten mit Molotowcocktails bekämpft. Den sich noch auf dem Platz befindenden wurde ein Ultimatum bis 7:00 am 4. Juni gestellt um den Platz zu verlassen. Bis 5:00 hatten alle Demonstranten den Platz geräumt.

Massaker-Opfer:

Die Opferzahlen gehen in den Berichten weit auseinander. Es gab zwischen 200-3000 Tote und viele Tausend verletzte.


Quellen:

Comment Stream