'Auf dem Friedhof am Montmartre' - Wolf Biermann

1.
Auf dem Friedhof von Mont Matre, weint sich aus der Winterhimmel,
und ich spring mit dünnen Schuhen über Pfützen, darin schwimmen
Kippen, die sich langsam öffnen, Köttel von Pariser Hunden,
und ich hatte nasse Füße, als ich Heine's Grab gefunden.

2.
Unter weißem Marmor frieren im Exil seine Gebeine,
mit ihm liegt da Frau Mathilde, und so friert er nicht alleine.
Doch sie heißt nicht mehr Mathilde, eingemeißelt in dem Steine
steht da groß sein großer Name und darunter bloß Frau Heine.

3.
und im Kriege, als die Deutschen an das Haken kreuz die Seine-Stadt
genagelt hatten, störte sie der Name Heinrich Heine.
Und ich weiß nicht wie, ich weiß nur daß er wurde weggemacht
und dann wieder drangeschrieben von Franzosen manche Nacht.

4.
Auf dem Friedhof von Mont Matre, weint sich aus der Winterhimmel,
und ich spring mit dünnen Schuhen über Pfützen, darin schwimmen
Kippen, die sich langsam öffnen, Köttel von Pariser Hunden,
und ich hatte nasse Füße, als ich Heine's Grab gefunden.