'Eins und Eins, das macht Zwei' - Hildegard Knef

Eins und eins, das macht zwei,
drum küss und denk' nicht dabei,
denn denken schadet der Illusion.
Alles dreht sich, dreht sich im Kreis,
und kommst du mal aus dem Gleis,
war's eben Erfahrung
– anstatt Offenbarung –
was macht das schon.

Der Mensch an sich ist einsam
und bleibt verlassen zurück.
Sucht man sich nicht gemeinsam
ein kleines Stück von dem Glück;
dem Glück, das man mit Füßen
ein ganzes Leben lang trat,
das man mit ein paar Küssen
plötzlich zuhause hat.

Eins und eins, das macht zwei,
ein Herz ist immer dabei,
und wenn du Glück hast, dann sind es zwei.
Das Rezept wird keiner erfinden,
das wird keiner ergründen,
mal bleibt's für's Leben
und mal bleibt es eben ‑ nur Liebelei.

Der Mensch an sich ist feige
und schämt sich für sein Gefühl,
dass es nur keiner zeige,
weil die Moral es so will.
Doch wenn im Fall des Falles
er sich im Dunkeln versteckt,
der liebe Gott sieht alles
und hat ihn längst entdeckt.

Eins und eins, das macht zwei,
drum küss und lächle dabei,
wenn dir auch manchmal zum Heulen ist.
Glücklich, wer das Heute genießt
und, was vorbei ist, vergisst.
Es kommt, wie es kommen muss:
Erst kommt der erste Kuss,
dann kommt der letzte Kuss,
dann der Schluss.